WS 3: "Race, Class, Gender und Co. – Diversität im Geschichtsunterricht"

Dr. Detlev Mares, Miriam Grabarits (Institut für Geschichte)

„Gleichheit und Verschiedenheit“ waren und sind „signifikante Triebkräfte der Geschichte“ (Georgi/Musenberg 2020, S. 37f.). Schaut man in die historische Forschung, gelten daher auch sogenannte Differenzkategorien (Race, Class, Gender etc.) bereits als etabliert, wie bspw. die Disability History oder die Queer History exemplarisch belegen. Inwiefern sind diese Kategorien aber auch speziell für den Geschichtsunterricht relevant? Wie lässt sich neben dem Verweis auf unsere pluralistischen Lebensformen des 21. Jahrhunderts das Arbeiten mit Differenzkategorien aus den spezifischen Zielen des Geschichtsunterrichts heraus begründen? Im Workshop wollen wir den reflektierten Umgang mit Differenzkategorien als Teil eines reflektierten Geschichtsbewusstseins verstehen und fragen, wie die Eingliederung in den Unterricht möglich ist. Die Durchsicht aktueller Lehrbücher lässt dabei bislang noch Zweifel an einem breiteren Aufgreifen dieser Thematik aufkommen. Dabei bietet die aktive Integration der Differenzkategorien – nicht nur auf der Subjektebene – im Geschichtsunterricht besonderes Potenzial: Auf der Sachebene können Praktiken des „doing difference“ nach Georgi und Musenberg über einen langen Zeithorizont hinweg rekonstruiert und gezielt zum Thema gemacht werden, was auch Anknüpfungen an aktuelle politische oder gesellschaftliche Debatten sowie das Fällen von Werturteilen erlaubt (vgl. Georgi/Musenberg 2020, S. 39). Gerade diese differenzreflexive inhaltliche Auseinandersetzung kann den Lernenden aufzeigen, dass soziale Differenzierungen und Ungleichheiten historisch bedingt und gesellschaftlich konstruiert sind – und sich deshalb auch verändern können bzw. wandelbar sind.

Gerade weil die historische (und gegenwärtige) Wirklichkeit von diesen Kategorien beeinflusst wurde, müssen sich auch „die Geschichten“, die im (Geschichts-)Unterricht „erzählt“ werden, ändern (vgl. Barsch/Degner/Kühberger/Lücke 2020, S. 11). Die Diskussion curricularer Bestimmungen ist dabei sicher ebenso nötig wie die Entwicklung konkreter Arbeitsmaterialien. Im interaktiven Workshop wollen wir deshalb, nach einer kurzen inhaltlichen Einführung zum Themenkomplex der Diversität in Geschichtsdidaktik und -unterricht, in Kleingruppen anhand konkreter Materialien den bisher vorherrschenden „inhaltlichen Leerstellen“ nachgehen, um anschließend Konzepte eines unterrichtspragmatischen Einsatzes von ausgewählten Differenzkategorien zu entwickeln. Alle Interessent*innen sind herzlich willkommen!